Kurz vor 8 Uhr am Samstagmorgen, den 30. April 1905, erschütterte ein lauter Knall die Stadt Winterthur. Was war geschehen? Zuerst glaubte man an einen Schuss aus der Feueralarmkanone. Doch bald war klar, es war kein Schuss, es war eine Explosion im Technikum.
Ursache der Explosion war ein Fabrikationsfehler bei einer Gasflasche. Statt reinen Sauerstoff enthielt diese sogenanntes Knallgas, eine explosive Mischung aus Sauerstoff und Wasserstoff. Als der Abwart des physikalischen Instituts an jenem Morgen die Unglücksflasche transportierte, explodierte diese im ersten Stock des Ostflügels mit gewaltiger Wucht. Der Landbote berichtete damals davon und schilderte, wie der Abwart in Stücke gerissen und getötet wurde. Der Oberkörper lag vor der Türe des Zimmers Nr. 20, und ein Bein fand man beim Aufstieg in den zweiten Stock im Mittelbau. Auch drei Studenten wurden von herumfliegenden Splittern verletzt, und der Sachschaden war immens. Es bot sich ein Bild der Verwüstung, die Böden waren übersät mit Glas- und Holzsplittern sowie Türen und Fenster herausgeschleudert und zerbrochen.
Das Ereignis sorgte in Winterthur für grosses Aufsehen. Zahlreiche Schaulustige strömten herbei und spähten neugierig durch die kaputten Fenster, um Zeugen der Zerstörung zu werden. Dabei hätte es deutlich schlimmer enden können. Wäre die Flasche nur ein wenig später explodiert, wären die Zimmer und Gänge voller Studenten gewesen, und das Unglück hätte wohl noch mehr Opfer gefordert.